Hochtaunus-Kreis
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Steigende Opferbetreuung im Hochtaunuskreis 2016

01.03.2017

127 Geschädigte waren es 2016, die der Ehrenamtler mit seinem Team betreut hat - 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie schon in den zurückliegenden Jahren waren die meisten Hilfesuchende Opfer einer Körperverletzung, gefolgt von Opfern sexueller Übergriffe. Aber auch Opfer von Stalking, Betrug, Diebstahl, Überfällen und Einbrüchen haben sich an die Außenstelle des Weissen Ring gewandt. „Allen konnten wir schnell und unbürokratisch helfen",  sagt der langjährige Außenstellenleiter Herr Gietz.

Neben menschlichem Beistand stand materielle Hilfe im Vordergrund. So erhielt jedes 9. Opfer einen kostenlosen Beratungsscheck für einen Rechtsanwalt, um sich ausführlich über seine Rechte zu informieren. Geldbeträge wurden übergeben, um durch die Tat entstandene materielle Not zu lindern. Viele Hilfesuchende wurden auch an andere Stellen oder Organisationen weitervermittelt, um dort kurzfristig fachkompetente Hilfe zu erhalten, so z.B. Traumaambulanzen, die auf Krisenintervention spezialisiert sind.

„Oft fühlen sich die Opfer nach der Tat allein gelassen und suchen Hilfe bei uns“ sagt Herr Gietz. „Sie wissen nicht weiter, brauchen konstruktive Ratschläge und Unterstützung. Gelegentlich wird auch nur ein verständnisvoller Zuhörer gesucht", erläutert der erfahrene Ehrenamtler weiter. Die Hilfen, um aus der Notlage zu kommen, sind immer individuell und werden mit den Hilfesuchenden persönlich besprochen.  "Vertraulichkeit ist dabei oberstes Gebot", versichern Herr Gietz und seine Stellvertreterin Elke Fuchs.

Alle Ehrenamtler im fünfköpfigen Team sind eigens für diese Aufgaben qualifiziert geschult und können professionell helfen. Dies auch außerhalb der üblichen Bürozeiten. „Wenn es dringend ist, stehen wir auch am Wochenende, morgens früh oder abends spät zur Verfügung", sagt der Außenstellenleiter. „Jeder von uns kennt sich mit den Nöten der Kriminalitätsopfer aus und kann dem Hilfesuchenden mit Rat und Tat zur Seite stehen. Eine persönliche Unterstützung kann z.B. auch in der Begleitung zur Polizei, zum Gericht oder zu Behörden bestehen, ebenso aber auch in der Hilfe beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen, wenn das erforderlich ist“.

Fuchs gibt einen wichtigen Hinweis „Selbstverständlich ist für uns, dass eine Frau, die häusliche Gewalt oder einen sexuellen Übergriff erlebt hat, nur von einer Frau aus dem Team betreut wird. Jede einzelne Hilfe ist auch unabhängig davon, ob Anzeige erstattet wurde oder nicht. Voraussetzung ist lediglich, dass die oder der Hilfesuchende eine kriminelle Handlung erlitten hat“.
(Veröffentlicht in Frankfurter Rundschau und Taunus Zeitung am 7.2.2017 sowie in Oberurseler Woche am 9. Februar 2017)